Einsegnung von Erinnerungsstele und Begegnungsgarten

04.10.2026  

Der Namenstag des Hl. Franziskus wurde in der Pfarrgemeinde Schweich und im Seniorenhaus St. Josef am 4. Oktober besonders gefeiert.

Im Rahmen eines feierlichen Gottesdienstes würdigte Pfarrer Dr. Ralph Hildesheim das Leben und Wirken dieses beliebten Heiligen. Viele der von ihm gelebten Werte wirken in zahlreichen franziskanischen Gemeinschaften bis heute fort.  Mit der Gründung der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen vom hl. Josef im Jahre 1867 hat der franziskanische Geist auch einen Konvent in Schweich gefunden und auch heute noch kümmern sich Schwestern dieser Gemeinschaft im Seniorenhaus St. Josef um Sorgen und Nöte von Bewohnern, Angehörigen und Mitarbeitenden.

Seit einigen Jahren sind die fünf Senioreneinrichtungen der Franziskanerinnen vom Hl. Josef, das St. Franziskus in Aegidienberg, das Christinenstift in Unkel, der Marienhof in Speicher und das St. Vinzenz in Körperich Einrichtungen der Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria aus Köln. Bereits seit dem Jahr 2012 besteht eine formelle, enge Kooperation, die auf einen Jahrzehnte langen Kontakt zwischen beiden Organisationen folgte. Im Jahr 2023 übertrugen die Franziskanerinnen vom hl. Josef dann die Anteile ihrer Gesellschaft an die Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria.

Der Trägerwechsel war nötig geworden, weil auch die Franziskanerinnen vom hl. Josef von einem in Europa seit Jahrzehnten spürbaren Rückgang an Ordensmitgliedern nicht verschont geblieben sind. Daher hatten sich die Schwestern entschieden, ihr Wirken auf Länder zu konzentrieren, in denen noch Schwesternnachwuchs besteht und wo ‚notwendende‘ Hilfe dringend gebraucht wird.

An den Werdegang der Schwesterngemeinschaft, die vor fast 160 Jahren in Schweich gegründet und von hier aus weltweit tätig geworden sind, erinnert nun eine Stele, die im Nachgang an die heilige Messe in der Pfarrkirche vor dem Eingang des Seniorenhauses von Pastor Dr. Ralph Hildesheim eingesegnet worden ist.
Pastor Dr. Ralph Hildesheim und Sr. Ana Rech bei der Einsegnung.

„Wir haben uns diesen Tag ganz gezielt ausgesucht“, erklärte Dr. Stephanie Kirsch, Geschäftsführerin der Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria. Das Jahr 2026 ist das offizielle von der katholischen Kirche ausgerufene ‚Franziskus-Jahr‘ und am 04.10.2026 wird dem 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi gedacht. „Außerdem möchten wir mit der Erinnerungsstele an die Gründung der Ordensgemeinschaft der Franziskanerinnen in Schweich erinnern, deren Patron dieser Heilige ist“, so Frau Dr. Stephanie Kirsch weiter.  
Geschäftsführerin Dr. Stephanie Kirsch bei ihrer Begrüßung und Ansprache.

Das Kunstwerk soll das Wirken der Schwestern symbolisch darstellen und die Dankbarkeit der Seniorenhaus GmbH der Cellitinnen zur hl. Maria für die langjährige Kooperation zum Ausdruck bringen. An gleicher Stelle, wo nun die Stele ihren Platz gefunden hat, stand früher das Generalat der Schwestern.

Die vom bekannten Maler, Grafiker und Bildhauer Egbert Verbeek aus Bonn geschaffene Erinnerungsstele steht in der Sichtachse von Pfarrkirche und Seniorenhaus. Die Mittelstrebe ist komplett aus Glas; der quadratische Unterbau symbolisiert mit kraftvollen Wurzeln die Gründung in Schweich und die umlaufende Spirale steht für den Weg der Franziskanerinnen von der Mosel hinaus in die Welt. Das aus der Gründung aufstrebende Schwesternkreuz mit einem inkludierten liebenden Herz, als Zeichen der Gemeinschaft und Barmherzigkeit, wird getragen vom universalen Zeichen der franziskanischen Bewegung, dem Tau-Kreuz.

Künstler Egbert Verbeek berichtet den Gästen über den Entstehungsprozess und die Materialität des Kunstwerks.

In ihrem Grußwort dankte Sr. Monika Schulte (FSJ) Frau Dr. Kirsch und den Verantwortlichen der Cellitinnen zur hl. Maria für die besondere Wertschätzung, die sie den Franziskanerinnen vom hl. Josef mit der Erinnerungsstele und der ansprechenden Gestaltung des Begegnungsgartens entgegenbringen. Anschließend gab sie den Gästen einen interessanten Überblick über die Geschichte der Ordensgemeinschaft von ihren Anfängen bis in die Gegenwart. Mit einem Blick in die Zukunft bemerkte die ehemalige Provinzoberin: „Es ist noch Luft nach oben. Wer weiß, wohin der Heilige Geist die Schwestern noch führen wird.“

An den Künstler gewandt sagte sie: „Ihnen, Herr Verbeek, ist es gelungen, einen Teil der Geschichte dieses Ortes, aber auch die Zukunftsvision unserer Ordensgemeinschaft sichtbar zu machen.“ Die Stele erinnert nach den Worten von Sr. Monika an die vielen Frauen, die als Schwestern Spuren des Glaubens, der Nächstenliebe und des selbstlosen Dienstes hinterlassen haben. Ihr Wirken sei vom franziskanischen Geist geprägt gewesen: einfach zu leben, den Menschen nahe zu sein und in jedem Menschen die Gegenwart Gottes zu erkennen. Zugleich erinnere die Stele nicht nur an die Vergangenheit, sondern mache auch bewusst, dass Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit und gelebter Glaube nichts von ihrer Bedeutung verlieren. Wo Menschen füreinander da sind, entsteht Gemeinschaft. Wo Menschen sich für andere einsetzen, wird Gottes Liebe sichtbar. „So möge dieses Kunstwerk ein Zeichen der Dankbarkeit, der Erinnerung und zugleich der Hoffnung sein“, resümierte Sr. Monika.

Sr. Monika Schulte bei ihrer Dankrede.

Der neue Garten vor dem Haus soll mit der farbenprächtigen Stele an die Gründung und das weltweite Wirken der Schwestern erinnern. Zudem soll er ein Treffpunkt für Jung und Alt werden. „Es ist dafür ein ausgezeichneter Ort“, sagt Regionalleiter Carsten Tappel, „denn der anschließende Fußweg führt zur Pfarrkirche, zu der St. Josef eine enge Verbindung hat und direkt ins Zentrum der Stadt“.
Regionalleiter Carsten Tappel freut sich über Kunstwerk und Begegnungsgarten und dankt allen Mitwirkenden.

„Unsere Bewohnerinnen und Bewohner sowie die Mitarbeitenden freuen sich sehr über die Gestaltung, denn in den vergangenen Jahren war bei uns immer wieder angebaut, umgebaut oder neugebaut worden. Den Platz vor dem Haus hatten wir dabei aus dem Blick verloren. Umso dankbarer sind wir, dass die Seniorenhaus GmbH dies nun für uns in Angriff genommen hat“, sagt Seniorenhausleiterin Uta Kirsten.

Herbstzeit ist Pflanzzeit und nachdem die aufwändige Bepflanzung abgeschlossen sein wird, werden rund um die Erinnerungsstele Sitzgelegenheiten zum Verweilen unter schattigen Platanen einladen und neben dem schon fertiggestellten kleinen Barfußpfad und Wasserspiel die schöne Gestaltung komplettieren.

Musikalisch wurde der Festakt und das anschließende Beisammensein gestaltet vom Duo Anima Sur/Argentinien.

INFO: Von Schweich in die Welt - Die Geschichte der Franziskanerinnen vom hl. Josef

Im Jahr 1867 gründete Mutter Alphonsa Kuborn in Schweich die Ordensgemeinschaft der „Barmherzigen Schwestern vom Dritten Orden des heiligen Franziskus von Assisi“. Zunächst lebten die Schwestern in einem kleinen Konvent in der Schweicher Sommergasse. Bereits zwei Jahre später, 1869, bezogen sie das neu errichtete Krankenhaus St. Josef.

Die Gründung und der Aufbau der Gemeinschaft erfolgten in einer schwierigen Zeit. Mit der beginnenden Industrialisierung verloren viele Menschen ihre Arbeit und konnten ihre oft kinderreichen Familien kaum noch versorgen. Hinzu kamen die Auswirkungen des Kulturkampfes unter Reichskanzler Bismarck sowie Spannungen mit dem damaligen Pfarrer der Kirchengemeinde. Dieser hatte zwar das Grundstück für das Hospital zur Verfügung gestellt, verfolgte jedoch andere Vorstellungen von der Entwicklung der jungen Ordensgemeinschaft als deren Gründerin.

In dieser schwierigen Situation suchte Schwester Alphonsa Rat beim Bischof von Trier und tauschte sich auch mit ihrem Bruder aus, der den Redemptoristen in Trier angehörte. Schließlich entschied sie sich, mit einigen Schwestern hinter der deutsch-niederländischen Grenze Zuflucht zu suchen. Die Gemeinschaft zog zunächst nach Beeck und später in das nahe gelegene Valkenburg.

Aus den bescheidenen Anfängen an der Mosel entwickelte sich eine international tätige Ordensgemeinschaft. Heute sind die Schwestern nicht nur in Deutschland, sondern auch in zahlreichen Ländern Süd- und Mittelamerikas, Afrikas sowie Südostasiens tätig. 1964 kehrten die Schwestern an ihren Gründungsort Schweich zurück.
Seit 1939 trägt die Gemeinschaft den Namen „Franziskanerinnen vom hl. Josef“ (FSJ).


Weitere Impressionen vom Festtag

 

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